BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Eppstein

Ein gutes Gebäude – dem die frische Luft ausgeht

Bündnis 90/Die Grünen Eppstein begrüßen den geplanten Erweiterungsbau der Burg-Schule

Bündnis 90/Die Grünen Eppstein begrüßen den geplanten Erweiterungsbau. Die Burg-Schule platzt aus allen Nähten, und der Main-Taunus-Kreis investiert trotz knapper Kassen rund 17,5 Millionen Euro in den Eppsteiner Schulstandort. Auch die Bauweise überzeugt: Holzbau, Wärmepumpe, eine Gebäudehülle im Passivhausstandard und eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher. Die Stromkosten des Standorts sinken damit von rund 46.000 auf gut 20.000 Euro im Jahr. Erfreulich ist auch die vorgesehene Zisterne, deren Wasser Toilettenspülung und Bewässerung speist.

Kritisch sehen die Grünen eine Entscheidung: Eine Lüftungsanlage ist nur für Küche und Mensa im Untergeschoss vorgesehen. In den beiden Etagen darüber soll über Fenster und Kippoberlichter gelüftet werden. Dieser „Low-Tech“-Ansatz hat Vorteile bei Investition und Wartung. Bei der Klimaresilienz und Luftqualität hat er einen Preis.

Am Montag hat der Kreis die Pläne erstmals in Eppstein vorgestellt. Auf Nachfrage zeigte sich: Ein berechnetes Lüftungskonzept gibt es bislang nicht, es soll erst noch erstellt werden. Messtechnik für Temperatur, Feuchte und CO2 ist zwar eingeplant, Erfolgskriterien für die Überprüfung des „Low-Tech“-Ansatzes sind jedoch nicht kommuniziert.

Das wiegt schwer, denn in dem Gebäude läuft nicht nur Vormittagsunterricht, sondern die Ganztagsbetreuung: über 200 Kinder, schwerpunktmäßig zwischen 12 und 17 Uhr, den heißesten Stunden des Tages. In drei von sechs Sommerferienwochen ist das Haus durchgehend belegt. Allein in diesem Sommer wurden an der nächstgelegenen Wetterstation elf Tage mit über 35 Grad im Schatten gemessen, davon fünf in Folge Ende Juni. Damit die Luft frisch bleibt, müsste nachmittags regelmäßig gelüftet werden – und damit kommt die Hitze ins Haus. Dass die Fußbodenkühlung im Sommer wirkt, bestreitet niemand – aber bei regelmäßig geöffneten Fenstern wird ihre Wirkung stark begrenzt bleiben. Auch das Bau-Amt räumt auf Nachfrage ein, dass an Hitzetagen das System an seine Grenzen kommen kann. Im Winter kehrt sich das um: Wer alle zwanzig Minuten die Fenster öffnen muss, wirft die Wärme hinaus, die die dichte Hülle gerade halten soll – eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung würde genau das verhindern.

Über Geld muss man dabei ehrlich reden. Je nach Quelle würde eine umfassende Lüftungsanlage höhere Baukosten zwischen 495.000 und 750.000 Euro verursachen, also zwischen knapp drei und gut vier Prozent der Gesamtinvestition. Das Bauamt trägt Budgetverantwortung, und niemand verlangt eine Goldrandlösung für Eppstein. Nur: Wenn das Konzept im Betrieb nicht trägt, bliebe nach heutigem Stand allein die Nachrüstung von Split-Klimageräten – Geräte, die kühlen, aber keine Frischluft liefern. Und angesichts der vielen Schulgebäude im Kreis, die dringend saniert werden müssen, wird eine solche Nachrüstung kaum je oben auf der Liste stehen. Was jetzt nicht mitgebaut wird, fehlt deshalb voraussichtlich dauerhaft.

Die Eppsteiner Grünen bitten deshalb um zwei Dinge. Erstens, den Einbau raumweiser Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung für die am stärksten belegten Fach- und Betreuungsräume zu prüfen und mitzubauen, wenn die Rechnung aufgeht. Das ist der Mittelweg zwischen gar nichts und großer Zentralanlage: Er bringt Frischluft, ohne dass geöffnete Fenster die Fußbodenkühlung aushebeln – und er ist bezahlbar. Zweitens verbindliche Erfolgskriterien für die geplante Messtechnik: feste Schwellenwerte für Temperatur, Feuchte und CO2 und die Zusage, nachzubessern, wenn sie gerissen werden. Ohne Kriterien misst man zwar, lernt aber nichts – weder für die Burg-Schule noch für die nächsten Schulneubauten.

Entschieden wird im Kreistag und im planenden Bauamt, nicht in Eppstein. An beide geht deshalb die Bitte, das Lüftungskonzept zu rechnen und den Gremien vorzulegen, bevor der finale Bauantrag gestellt wird. Es geht nicht um Parteipolitik, sondern um ein Gebäude, das auch im Klima des Jahres 2060 noch funktionieren soll. Die Eppsteiner Grünen wollen diesen Neubau, und sie wollen ihn zügig. Aber sie wollen ihn hitzeresilient und mit guter Luft für alle Nutzer des Gebäudes.


Achim von Hein, Klaus Stephan und Stefan Krüger, für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Eppstein

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